marcostoehr
Peugeot RCZ 165 HDI vorne links

Testbericht: Peugeot RCZ 165 HDi FAP

“Mach mal das Dach auf!” rief eine Bekannte aus dem Fenster im ersten Stock ihres Hauses, während ich mich unten am Wagen mit ihrem Mann unterhielt. “Das ist kein Cabrio!” rief ich zurück und erntete erstaunte Blicke. Wieder war jemand auf die farblich abgesetzten Dachbögen des Peugeot RCZ “hereingefallen”, hielt das Sportcoupé fälschlicherweise für ein Klappdachcabriolet. Das sollte nicht das letzte Mal sein, das so etwas passiert. In der Galerie am Ende dieses Beitrags findet man ein Vergleichsbild mit einem Peugeot 207 CC, das sehr schön verdeutlicht, warum sich so viele Menschen den RCZ für ein Cabriolet halten.

Ich hatte den Peugeot RCZ Testwagen in meiner Wunschfarbe bekommen: Blau. Genauer gesagt “Tuanake Blau”, wie Peugeot den Metallicfarbton nennt. Dieser steht in einem sehr schönen Kontrast zu die Aluminiumdachbögen, die beispielsweise bei einem weißen Fahrzeug gar nicht so sehr auffallen. Da war mir der deutliche Kontrast schon lieber.

Peugeot RCZ 165 HDI Heckansicht
Peugeot RCZ Heckpartie

Dieselmotor im Sportcoupé?

Autonerds haben am Titel bereits erkannt, dass das französische Sportcoupé mit einem Dieselmotor ausgestattet ist. Da kommen dann für viele Menschen unvereinbare Dinge zusammen: Sportwagen, Diesel, Frontantrieb. Ob das wirklich zusammenpasst, konnte ich im Testzeitraum im wahrsten Sinne des Wortes erfahren.

Peugeot nimmt gerne die Leistung in die Modellbezeichnung mit auf, rundet aber ebenso gerne auf und ab, da der RCZ zum Beispiel 163 PS hat, die “krumme” Zahl aber doof aussieht. Der Peugeot RCZ mit Diesel-Motor wurde bis Februar 2012 als HDi FAP 165 vermarktet und warum auch immer wurde die Bezeichnung dann in HDi FAP 160 geändert. Da mein Testwagen zwar recht wenig gelaufen hatte, aber bereits Ende 2011 letzten Jahres zugelassen wurde, war es noch ein 165, der aber dem 160 absolut glich.

Der Blick auf die technischen Daten ließ auch meine anfängliche Skepsis eines Dieselmotors im Sportcoupé verfliegen, die Zahlen waren beeindruckend und gerade in Sachen Drehmoment ist der Selbstzünder ja immer weit vorne. Ich muss aber leider zugeben, dass ich zumindest in Teilbereichen enttäuscht war. So war die laut Werksangabe bei 225 km/h liegende Höchstgeschwindigkeit in mehreren Versuchen bei besten Streckenbedingungen auf der Autobahn dennoch ein nicht zu erreichendes Ziel. Ging es bis 180 km/h noch zügig vorwärts, war jedes weitere km/h ein scheinbar mühsamer Kampf für den flachen Franzosen.

Peugeot RCZ 165 HDI am See
Peugeot RCZ am See

ErFAHRungen

Dafür kam auf der Landstraße ordentlicher Fahrspaß auf, das Drehmoment half bei dem ein oder anderen Überholmanöver und auch aus den Serpentinen konnte der Fronttriebler schön herausbeschleunigen. Das Fahrwerk war dabei zwar sportlich abgestimmt, bot aber ausreichenden Restkomfort für schlechte Straßen.

Insgesamt konnte mich das Coupé in der bergigen Nordeifel durchaus überzeugen. So bot der Peugeot RCZ eine ungeahnte Alltagstauglichkeit, die aber in Sachen Raumangebot trotz zweier (Not-)Sitze im Fond eher für zwei Personen gedacht war. Der Kofferraum war in Sachen Raumangebot sicherlich die größte Überraschung. Sieht man die Länge des Wagens und weiß, dass es ein 2+2-Sitzer ist, so ist die verhältnismäßig immense Größe des Heckabteils fast schon erschreckend.

Ansonsten gab es Wohlfühlatmosphäre im Innenraum, die Verarbeitung des Leders schien sehr gut. Einzig die Mittelkonsole war mir zu stark geneigt. Um hier die Knöpfe des Radios zu erreichen, musste ich mich vorbeugen. Natürlich konnte man das Ganze auch bequem bedienen, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Zwar befanden sich die Knöpfe zur Steuerung diverser Funktionen nicht, wie man es aus modernen Fahrzeugen kennt, direkt am Lenkrad, dafür bekam man aber ein Relikt der 80er und 90er Jahre zu spüren: Bedienungssatelliten. Ich persönlich mag das. Genauso wie den klassischen Handbremshebel und die Tatsache, dass man den Peugeot ganz normal mit dem Dreh des Schlüssel starten musste. Das ist so schön 1.0, wie man im Internetjargon sagen würde.

Gar nicht 1.0 hingegen ist das Design. Da hatte sich der französische Hersteller, der hierzulande vor allen Dingen Kleinwagen wie geschnitten Brot verkauft, echt was getraut. Natürlich wies er an der Front das typische Markengesicht mit dem Löwen auf. Aber der Rest des Coupés war mit dem gewölbten Dach-/Heckscheibenbereich ein echter Hingucker. Selten habe ich ein so schön gestaltetes Fahrzeug aus dem aus dem Hause Peugeot gesehen. Und das bestätigten auch die vielen anerkennenden Blicke und interessierten Fragen der Passanten.

Gut gebrüllt, Löwe!?

Eher nicht, muss ich leider zugeben. So sehr ich auch vom Design und dem Innenraum überzeugt war, wollte der Motor in letzter Konsequenz nicht so recht zum sportlichen Auftritt des Peugeot RCZ passen. Obenrum fehlte ihm einfach der Bums, um es mal ganz einfach auszudrücken. Und der Klang des Dieselaggregats war für sportlich orientierte Fahrer vermutlich auch nicht der pure Hörgenuss. Dennoch halte ich den Wagen durchaus für ein gelungenes Gesamtpaket mit außerordentlicher Alltagstauglichkeit in dieser Fahrzeugklasse. Und zu einem Preis ab 29.150 Euro lag er auch deutlich unter einem vergleichbaren Audi TT, mit dem er von der Fachpresse so gerne verglichen wurde.

Weitere Bilder zum RCZ gibt es in der folgenden Galerie:

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